Persistierender Ductus Arteriosus Botalli (PDA)
Dr. Lisa Keller, Diplomate ACVIM (Cardiology)

Mein Tier hat einen persistierenden Ductus Arteriosus Botalli (PDA)

Was heißt das?

Der PDA ist die häufigste angeborene Herzerkrankung beim Hund. Es handelt sich beim PDA um eine fehlerhafte Verbindung zwischen Körperschlagader (Aorta) und Lungenschlagader (Pulmonalarterie). Diese Verbindung besteht bei jedem Säugetierembryo vor der Geburt und sollte sich einige Stunden bis Tage nach der Geburt verschließen. Bleibt dieser Verschluss aus, spricht man von einem PDA. Dabei kommt es dazu, dass ein Teil des aus der Lunge und dem linken Herzen kommenden Blutes von der Aorta in die Pulmonalarterie fließt (anstatt nur in den Körperkreislauf zu gelangen), erneut die Lunge passiert und wieder dem linken Herzen zugeführt wird. Diese Rezirkulation des Blutes durch den Lungenkreislauf und das linke Herz führt zu einer Vergrößerung der linken Herzhälfte. Ist der PDA sehr groß, kann es zum Rückstau von Blut mit Wasseransammlungen in der Lunge kommen. In diesem Fall zeigen die Tiere Husten und/oder Atemnot. Ob und wann Symptome dieser Erkrankung auftreten, hängt von der anatomischen Größe und Form des PDA ab. Erfolgt ein operativer Verschluss des PDA frühzeitig, hat das Tier in der Regel eine normale Lebenserwartung.

Warum hat mein Hund einen PDA?

Der PDA ist eine angeborene Herzerkrankung, das heißt, dass sie von Geburt an besteht. Es handelt sich um eine vererbbare Erkrankung. Tiere mit einem PDA sollten daher nicht zur Zucht verwendet werden. Geschwister betroffener Tiere sollten ebenfalls auf den Defekt untersucht werden, Eltern betroffener Tiere sollten nicht mehr in der Zucht eingesetzt werden (oder zumindest sollte die selbe Verpaarung von Rüde und Hündin nicht noch einmal gewählt werden).

Was passiert im Verlauf der Erkrankung?

Ob und wann Symptome der Erkrankung auftreten, hängt von der anatomischen Größe und Form des PDA ab. Diese sollten im Herzultraschall untersucht werden. Der Verlauf der Erkrankung reicht von asymptomatisch bis hin zu Verläufen mit schweren Komplikationen. Je früher die Erkrankung diagnostiziert und behandelt wird, desto besser ist die Prognose. Jedes junge Tier mit einem Herzgeräusch sollte daher mittels Herzultraschall untersucht werden.

Typ I PDA: Besteht dieser kleine PDA, durch den nur wenig Blut von der Aorta in die Pulmonalarterie gelangt, bleiben morphologische Veränderungen des Herzens meist aus, es vergrößert sich nicht. In diesem Fall kann – unter wiederholten echokardiographischen Kontrollen – unter Umständen auf einen Verschluss und eine medikamentöse Therapie verzichtet werden.

Typ II PDA: Beim Typ II PDA besteht eine relativ große Verbindung zwischen Aorta und Pulmonalarterie, durch die relativ viel Blut rezirkulieren kann. In diesem Fall kommt es in der Regel dazu, dass sich das linke Herz deutlich vergrößert. Im Verlauf kann es dazu kommen, dass aufgrund von Rückstau von Blut in die Lunge ein sog. Lungenödem entsteht (= Wasser auf der Lunge). In diesem Fall zeigt der Patient akuten, schnell schlechter werdenden Husten und/oder Atemnot. Desweiteren kann es beim unverschlossenen PDA des Typ II zu Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) oder einer Pumpschwäche des Herzens kommen. Bestehen diese Komplikationen, ist die Prognose weniger günstig, als bei einem frühzeitig verschlossenen PDA. Ein Typ II PDA sollte in jedem Fall verschlossen werden. Bestehen ein Lungenödem oder Vorhofflimmern, sollte dies zunächst behandelt und der Patient damit stabilisiert werden, anschließend kann der PDA-Verschluss vorgenommen werden.

Typ III PDA: Beim Typ III PDA ist die Verbindung zwischen Aorta und Pulmonalarterie sehr groß, das Blut kann ungehindert von der Aorta in die Pulmonalarterie fließen. Dies kann zur Folge haben, dass die Lungenarterien durch diesen stark vermehrten Blutfluss dauerhaft und irreversibel geschädigt werden. Durch diese Schädigung kommt es zur Umkehr des Blutflusses (dann von der Pulmonalarterie in die Aorta) und Vermischung von sauerstoffreichem Blut mit sauerstoffarmem Blut im Körperkreislauf (= rechts-links PDA, Shuntumkehr). In diesem Fall können die Tiere Hinterhandschwäche sowie bläuliche Schleimhäute in der hinteren Körperregion zeigen. In diesem Stadium kann kein PDA-Verschluß mehr vorgenommen werden, die Prognose ist als sehr vorsichtig anzusehen. Eine Behandlung erfolgt in diesem Fall rein symptomatisch.

Was sind Symptome des PDA?

Das Hauptanzeichen eines PDA ist ein lautes Herzgeräusch, das Ihr Tierarzt bei der Impf- oder Gesundheitsvorsorgeuntersuchung feststellen kann. Fällt ein Herzgeräusch bei einem jungen Hund auf, sollte dies in jedem Fall mittels Herzultraschall weiter abgeklärt werden. So kann mit einer frühzeitigen Vorstellung beim Kardiologen und einem rechtzeitigen PDA-Verschluss in vielen Fällen vermieden werden, dass klinische Symptome auftreten. Das Hauptsymptom des PDA, welches dem Besitzer auffällt, wäre Husten aufgrund eines Lungenödems (= Wasseransammlung in der Lunge). Desweiteren kann in schwereren Fällen auch Leistungsschwäche auftreten, durch Herzrhythmusstörungen oder schlechte Herzleistung bedingt.

Wie erkenne ich einen Notfall? Was tue ich im Notfall?

Ein Notfall bei einem Hund mit unverschlossenem PDA ist auf alle Fälle jeder Zustand mit akuter Atemnot (in der Regel durch ein Lungenödem bedingt). Auch wenn Ihr Hund akuten Husten zeigt, der sich innerhalb kurzer Zeit verschlechtert, kann dies ein Zeichen eines Lungenödems sein. Oft zeigen Patienten beide Anzeichen. Besonders bei Patienten mit hochgradiger Vergrößerung des linken Herzens können Husten und Atemnot Zeichen eines Lungenödems sein. In diesem Fall sollten sie möglichst schnell einen Tierarzt aufsuchen. Dieser sollte mittels Röntgen feststellen, ob ein Lungenödem vorliegt. Ist dies der Fall, muss Ihr Hund eventuell stationär aufgenommen und intravenös behandelt werden (Entwässerungstherapie zur Beseitigung des Lungenödems), eventuell ist auch die Gabe von Sauerstoff notwendig.

Welche Therapie braucht der Patient mit einem PDA?

Therapie der Wahl bei einem PDA ist der Verschluss des abnormalen Gefäßes. Erfolgt dieser früh genug, hat der Patient nach erfolgreichem Verschluss eine normale Lebenserwartung. Der Verschluss kann interventionell mittels Katheter erfolgen. Hierbei handelt es sich um einen minimalinvasiven Eingriff mit einer relativ niedrigen Komplikationsrate. Eine kleine Drahtspirale oder ein Drahtkörbchen wird über einen Katheter in den PDA verbracht und dieser damit verschlossen. Desweiteren gibt es die Möglichkeit des chirurgischen Verschlusses. Hierbei muss die Brusthöhle eröffnet und der PDA abgebunden werden. Diese Art des Verschlusses wird vornehmlich bei kleinen Patienten < 3 kg Körpergewicht oder bei einem für den Katheterverschluss nicht geeignet geformten PDA angewendet.

Patienten, bei denen bereits ein Lungenödem besteht, sollten vor einer Operation medikamentös stabilisiert werden. Oft kann die medikamentöse Therapie nach dem Verschluss reduziert oder sogar abgesetzt werden.

Bei Patienten mit einer sog. Shuntumkehr (sehr großer/Typ III PDA, bei dem die Lungengefäße bereits so stark geschädigt sind, dass das sauerstoffarme Blut aus der Lungenarterie in die Aorta, also in umgekehrter Richtung fließt) ist ein Verschluss nicht mehr möglich. Der Patient wird mit einer sehr vorsichtigen Prognose rein symptomatisch (palliativ) behandelt. Unter anderem sind regelmäßige Aderlässe indiziert, da der Körper in Folge der Shuntumkehr zu viele rote Blutzellen bildet, was zu Komplikationen führen kann.

Die individuelle Behandlung des einzelnen Patienten ist genau auf die entsprechenden Bedürfnisse zugeschnitten und wird von Ihrem Kardiologen/Ihrer Kardiologin im Einzelfall angepasst.

Was kann ich für mein Tier tun?

Das wichtigste für Ihr Tier ist: Es soll eine gute Lebensqualität haben! Das heißt: Alles was Ihrem Tier Spaß macht, soll es auch tun (spielen, Gassi gehen,….). Von dieser Regel gibt es leider ein paar Ausnahmen. So sollte Ihr Tier zum Beispiel möglichst keine salzigen Speisen vom Tisch zu fressen bekommen, da zu viel Salz Herzpatienten schaden kann. Sie sollten Ihrem Tier keine Aufgaben stellen, bei denen es Ihnen nicht mitteilen kann, dass es diese Tätigkeit körperlich nicht schafft (zum Beispiel Laufen am Fahrrad, joggen,…., also Tätigkeiten, bei denen Ihr Tier zu körperlicher Anstrengung „gezwungen“ wird).

Sie sollten sich außerdem angewöhnen die Ruheatemfrequenz Ihres Tieres zu ermitteln (ein Heben und Senken des Brustkorbs = 1 Atemzug). Diese sollte über eine Minute gezählt werden wenn Ihr Tier in Ruhe ist (am Besten im Schlaf). Die Ruheatemfrequenz sollte unter 45/Minute liegen. Steigt die Ruheatemfrequenz dauerhaft an kann dies ein Anzeichen eines beginnenden Lungenödems sein. Studien haben gezeigt, dass das Zählen der Ruheatemfrequenz durch den Besitzer bei Tieren mit Herzerkrankungen einen exzellenten Frühmarker eines Lungenödems darstellt.