Subaortenstenose
Dr. Lisa Keller, Diplomate ACVIM (Cardiology)

Mein Tier hat eine Subaortenstenose (SAS)!

Was heißt das?

Die SAS ist eine der häufigsten angeborenen Herzerkrankung beim Hund. Es handelt sich bei der SAS um eine Einengung im Abgang der Aorta (Hauptschlagader) aus dem Herzen, knapp unterhalb der Aortenklappe. Dabei wird dem Blutfluss aus dem Herzen ein Widerstand entgegen gesetzt. Je nach Grad des Widerstands muss der Herzmuskel vermehrt Kraft aufbringen um das Blut aus dem Herzen in den Körperkreislauf zu pumpen. Dadurch kann sich der Herzmuskel verdicken. In Folge ist eine regelgerechte Durchblutung des Herzens in schweren Fällen nicht mehr möglich, es betsteht eine Sauerstoffunterversorgung und es können sich Herzrhythmusstörungen entwickeln. Dies ist vor allem bei einer hochgradigen SAS der Fall.

Warum hat mein Hund eine SAS?

Die SAS ist eine angeborene Herzerkrankung. Sie besteht von Geburt an oder entwickelt sich innerhalb der ersten Lebenswochen oder -monate. Es handelt sich um eine vererbbare Erkrankung, für bestimmte Rassen konnte der genetische Defekt bereits näher charakterisiert werden. Tiere mit einer SAS sollten daher nicht zur Zucht verwendet werden. Geschwister betroffener Tiere sollten ebenfalls auf den Defekt untersucht werden, Eltern betroffener Tiere sollten nicht mehr in der Zucht eingesetzt werden (oder zumindest sollte die selbe Verpaarung von Rüde und Hündin nicht noch einmal gewählt werden). Für bestimmte, prädisponierte Hunderassen ist eine Vorsorgeuntersuchung für die Zucht verpflichtend.

Was passiert im Verlauf der Erkrankung?

Ob und wann Symptome der Erkrankung auftreten, hängt vom Schweregrad der Einengung ab. Dieser Schweregrad kann sich innerhalb des ersten Lebensjahres, bis der Hund ausgewachsen ist, noch steigern. Der Schweregrad der SAS kann nur im Herzultraschall untersucht werden. Der Verlauf der Erkrankung reicht von asymptomatisch bis hin zu Verläufen mit Ohnmachtsanfällen, Leistungsschwäche oder sogar plötzlichem Herztod aufgrund schwerer Rhythmusstörungen.

Geringgradige SAS: Bei der geringgradigen SAS ist die Einengung des Aortenausflusstraktes sehr mild ausgeprägt. Im Herzultraschall wird eine Blutflussgeschwindigkeit in der Hauptschlagader von max. 3,5 m/s gemessen. Bei einer geringgradigen SAS verdickt sich der Herzmuskel des Patienten nicht. Damit werden in der Regel keine Symptome auftreten und der Hund hat eine normale Lebenserwartung. Ein Hund mit einer geringgradigen SAS sollte jedoch von der Zucht ausgeschlossen werden. Eine Therapie ist nicht notwendig. Ist der Hund zum Zeitpunkt der Diagnosestellung noch nicht ausgewachsen, sollte eine Nachuntersuchung mit ca. 12 Monaten erfolgen. Bis zu diesem Zeitpunkt kann sich der Schweregrad der Erkrankung theoretisch noch steigern. Erst beim ausgewachsenen Hund kann eine endgültige Beurteilung des Schweregrades erfolgen.

Mittelgradige SAS: Bei der mittelgradigen SAS wird im Herzultraschall eine Blutflussgeschwindigkeit in der Aorta von bis zu 4,5 m/s gemessen. Auch bei der mittelgradigen SAS kommt es in der Regel nicht zu Symptomen, auch hier haben die Tiere im Normalfall eine günstige Prognose und eine Therapie ist nicht notwendig. Eine Ausnahme ist das gleichzeitige Bestehen einer Undichtigkeit der Klappe zwischen linker Vor- und Hauptkammer (Mitralklappeninsuffizienz). In diesem Fall kann es dazu kommen, dass sich Blut in den Lungenkreislauf zurückstaut und Wasseransammlungen in der Lunge entstehen (= Lungenödem). Diese Komplikation kann ebenfalls im Herzultraschall untersucht werden. Symptome wären Husten oder Atemnot. Bei Bestehen eines Lungenödems müsste ein entwässerndes sowie ein kreislaufunterstützendes Medikament verabreicht werden.

Hochgradige SAS: Bei der hochgradigen SAS werden Blutflussgeschwindigkeiten von über 4,5 m/s im Herzultraschall gemessen. Hierbei kommt es in der Regel zu einer Verdickung des Herzmuskels. Durch diese Verdickung reicht die Durchblutung des Herzmuskels über die Herzkranzgefäße oft nicht mehr aus, der Herzmuskel erleidet eine Sauerstoffarmut. Diese Sauerstoffarmut kann zu schweren Herzrhythmusstörungen führen, welche sich klinisch in Ohnmachtsanfällen, Leistungsschwäche oder aber auch einem plötzlichen Herztod äußern können. Statistisch gesehen sterben zwei von drei Hunden mit hochgradiger SAS innerhalb der ersten drei Lebensjahre. Therapie der Wahl bei der hochgradigen SAS ist die Gabe von Betablockern (Atenolol).

Was sind Symptome der SAS?

Das Hauptanzeichen einer SAS ist ein Herzgeräusch welches Ihr Tierarzt bei der Impf- oder Gesundheitsvorsorgeuntersuchung feststellen kann. Fällt ein Herzgeräusch bei einem jungen Hund auf, sollte dies in jedem Fall mittels Herzultraschall weiter abgeklärt werden.

Klinische Symptome sind im gering- und mittelgradigen Stadium nicht zu erwarten. Besteht gleichzeitig mit einer mittel- oder hochgradigen SAS eine Mitralklappeninsuffizienz, kann sich ein Lungenödem (Wasseransammlungen in der Lunge) entwickeln. Hierbei zeigen die Patienten Husten oder Atemnot. Die Hauptsymptome der hochgradigen SAS sind Leistungsschwäche und Ohnmachtsanfälle. Diese sind durch Herzrhythmusstörungen oder durch einen schlechten Herzauswurf aufgrund der Einengung der Hauptschlagader bedingt. Diese Anzeichen können vor allem bei körperlicher Anstrengung auftreten. Einige Patienten mit hochgradiger SAS zeigen keine klinischen Symptome.

Welche Therapie braucht der Patient mit einer SAS?

Patienten mit einer gering- und mittelgradigen SAS benötigen in der Regel keine Therapie. In Fällen, in denen zusätzlich eine Mitralklappeninsuffizienz besteht welche zu einem Lungenödem geführt hat, wird ein entwässerndes sowie ein kreislaufunterstützendes Medikament verabreicht. Patienten mit einer hochgradige SAS erhalten eine Therapie mit Betablockern (Atenolol). Dies bewirkt einerseits eine Reduktion des Risikos für schwere Herzrhythmusstörungen. Desweiteren sollen Betablocker gegen Umbauvorgänge am Herzen wirken. Studien haben gezeigt, dass ein chirurgischer/katheterbasierter Eingriff keinen prognostischen/therapeutischen Vorteil gegenüber der medikamentösen Therapie mit Betablockern bietet. Die individuelle Behandlung des einzelnen Patienten ist genau auf dessen entsprechende Bedürfnisse zugeschnitten und wird von Ihrem Kardiologen/Ihrer Kardiologin im Einzelfall angepasst.

Was kann ich für mein Tier tun?

Das wichtigste für Ihr Tier ist: Es soll eine gute Lebensqualität haben! Das heißt: Alles was Ihrem Tier Spaß macht, soll es auch tun (Gassi gehen,….). Von dieser Regel gibt es leider ein paar Ausnahmen. Sie sollten Ihrem Tier keine Aufgaben stellen, bei denen es Ihnen nicht mitteilen kann, dass es diese Tätigkeit körperlich nicht schafft (zum Beispiel laufen am Fahrrad, joggen). Ihr Hund sollte nicht zu anstrengenden körperlichen Tätigkeiten motiviert werden.